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05.09.2002
Mahnmale erneut geschändet - Unbekannte Täter sprühten mit Signalfarbe Hakenkreuz auf eine Gedenkplatte
Wöbbelin Auf die Mahn- und Gedenkstätte in Wöbbelin ist erneut ein Anschlag verübt worden. In der Nacht zu Mittwoch sprühten unbekannte Täter Signalfarbe auf Jo Jastrams Sandsteinrelief, das an die Leiden der KZ-Häftlinge erinnert, sowie auf eine Mahntafel in unmittelbarer Nähe.
Diese knapp einen Quadratmeter große Mahntafel war erst im April dieses Jahres aufgestellt worden, um an die jüngsten Schändungen zu erinnern. Am 25. Februar hatten Unbekannte das Sandsteinrelief beschädigt und mit antisemitischen Parolen besprüht - es sollte demnächst restauriert werden. Außerdem ließen die Täter zwei Schweineköpfe an der Stätte zurück. Zeitgleich wurden damals auch Anschläge auf Gedenkstätten in Raben Steinfeld und Boizenburg verübt.
"Ich vermute, dass dies das Werk von Trittbrettfahrern ist", bewertet Heinz Haufschild, Bürgermeister der Gemeinde Wöbbelin, den neuerlichen Anschlag. "Offensichtlich hatten die Täter nicht sehr viel Zeit, worauf die unsaubere Machart schließen lässt. Die letzten Schmierereien waren sorgfältiger ausgeführt worden." Die grüne Plane, mit der das Sandsteinrelief abgedeckt war, weist ebenso wie das Mahnmal selbst nur einige Farbpunkte auf. Hier fühlten sich die Sprayer möglicherweise gestört und machten deshalb wohl nicht weiter.
Bürgermeister Haufschild glaubt, dass nur mit Hilfe von technischen Sicherungsmaßnahmen solche Taten künftig verhindert werden können. "Entweder wir bringen hier Strahler an, die an Bewegungsmelder gekoppelt sind und das Terrain des Nachts bei Bedarf hell ausleuchten, oder wir installieren eine Videoüberwachung." Einen Komplettzaun mit Übersteigschutz um das weiträumige Gelände zu errichten, hält Haufschild für zu teuer. Eine lückenlose Überwachung der Mahn- und Gedenkstätten durch die Polizei sei faktisch nicht möglich, sagt Polizeirat Ingo Renk. Der 37-jährige Leiter des Polizeireviers Ludwigslust grenzt die Tatzeit zwischen Mitternacht und den ersten drei Morgenstunden ein. "Unsere Beamten haben die Straftat Mittwoch in aller Frühe gegen 3.10 Uhr bei einer routinemäßigen Kontrollfahrt entdeckt. Die Kriminalpolizei hat sofort die Ermittlungen aufgenommen und die Tatortarbeit mit Fährtenhund durchgeführt. Bislang gibt es noch keinen Hinweis auf den oder die Täter. Der Staatsschutz der Kriminalinspektion Schwerin ermittelt ebenfalls in diesem Fall und sucht noch mögliche Tatzeugen."
Die Fahndung nach den Tätern, die jene Anschläge im Februar verübt haben, verlief bislang erfolglos.
Derzeit kontrollieren Beamten des Polizeireviers Ludwigslust täglich mindestens einmal jede der 22 Gedenkstätten und Gedenksteine in ihrem Zuständigkeitsbereich.
Schweriner Volkszeitung-Hagenow
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