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06.08.2003
Umstrittene Zeitschrift gegen rechts

Stralsund (OZ) Ein ungewöhnliches und zugleich umstrittenes Zeitschriften-Projekt ist von Stralsund aus auf den Weg gebracht worden. FF.REX heißt das Schwarz-Weiß-Heft, das vor allem junge Leute anregen soll, sich mit offenem und latentem Rechtsextremismus auseinanderzusetzen, so Projektleiter Andreas Küstermann.

Als Untertitel erscheint auf der Titelseite der ersten Ausgabe: "Zeitschrift gegen Rassismus mit Meinungsfreiheiten!". Auch wenn das recht holprig klingt, kann das Anliegen nur löblich sein. Und so hat das Projekt zu Recht öffentliche Gelder erhalten. FF.REX wird durch die Produktionsschulen Zarrendorf unterstützt, die sich in Vorpommern und Rostock in der Jugendsozialarbeit engagieren. In guter Absicht also fertigten die Jugendlichen das 16-seitige Heft, das zunächst in einer 2000-er Auflage in Vorpommern und Rostock vorwiegend an Vereine kostenlos verteilt wurde.

Doch die gute Absicht allein reicht offenbar nicht, denn das Druckwerk erscheint noch stark überarbeitungsbedürftig und zum Teil missverständlich. Während einiges nur ungeschickt wirkt - z. B. langatmige Definitionen und ein erklärungsbedürftiges Dokument des Verfassungsschutzes - , ist der Abdruck von Feiertagen der rechten Szene und eines makaberen Witzes über Juden stark diskussionswürdig. Die braunen Feiertage stehen gänzlich unkommentiert im Heft. Und unter dem Witz wird mit dem nebulösen Bildtext "Auf den Straßen von Stralsund . . ." suggeriert, dass sich in der Sundstadt öffentlich Antisemitismus breit macht. Der Leser wird in dem Glauben gelassen, was da an der Litfasssäule klebt, stamme von ganz üblen Zeitgenossen. Das ist bewusste Irreführung.

Auf Nachfrage bei Andreas Küstermann erfährt man, dass der gemeine Spruch aus der Nazi-Zeit Bestandteil einer provozierenden Plakataktion der Theatergruppe "STiC-er" war. Er stammt aus George Taboris antifaschistischem Schauspiel "Jubiläum". Die jungen Stralsunder Laien-Darsteller wollten im März dieses Jahres mit plakatierten Zitaten aus dem Stück auf ihre Premiere von "Jubiläum" aufmerksam machen.

Die Theatermacher sind über die Darstellung in FF.REX empört. Der Leiter Axel Zühlsdorf spricht von Unprofessionalität. Es sei "skandalös", dass damit die Theatertruppe in eine rechte Ecke geschoben werde.

Dem neuen Jugendprojekt hätte eine Diskussion um gewagte Theaterwerbung, über das Schauspiel, seine Aufnahme in Stralsund und den möglicherweise vorhandenen latenten Antisemitismus besser zu Gesicht gestanden. Übelster Nazi-Jargon und braune Termin-Datei - das kann leicht ein Eigenleben entwickeln. Weit entfernt von der Absicht, gegen rechtes Gedankengut wirken zu wollen. Die kleine Redaktion um Journalist Küstermann scheint gut beraten, vor dem Erscheinen des nächsten Heftes - es soll sich mit Filmen zum Thema Rechtsextremismus beschäftigen - erst einmal in Klausur darüber zu gehen, wer als Leser angesprochen werden soll, und was man überhaupt und warum vermitteln möchte.

Ostseezeitung

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