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Größter Atom-Protest in Vorpommern: 4000 Demonstranten erwartet

Mehrere hundert Polizisten sollen am Sonnabend den Protest gegen den Castortransport nach Lubmin absichern. Es gibt zwei Kundgebungen am Bahnhof.

07.12.2010

Greifswald (OZ) - Mit ohrenbetäubenden Krach vor dem Rathaus, einem Anti-Atom-Alarm, eröffneten die Atom-Gegner gestern Abend ihre Protestwelle gegen den Castortransport, der in zehn Tagen nach Lubmin rollen soll. Zum Aktions-Höhepunkt am Sonnabend werden 4000 Demonstranten aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet. Zu der Großveranstaltung reisen laut Ulrike Berger, Sprecherin des Anti-Atom-Bündnisses Nordost, zehn Busse aus MV und weitere 14 aus dem gesamten Bundesgebiet an. Die Protestler kommen unter anderem aus dem Wendland, Hamburg und Braunschweig. Es scheint die größte Anti-Atom-Demonstration im Nordosten zu werden, die es je gegeben hat. Die Proteste gegen die Atomtransporte in den 90er Jahren liefen im vergleichsweise kleinen Kreis ab.

Für die Polizei wird die Demonstration eine riesige logistische Herausforderung. Mehrere hundert Kräfte werden die mehrstündige Großdemo mit zwei Kundgebungen absichern. Das teilte Polizeioberrat Gunnar Mächler bei der gestrigen Pressekonferenz mit. "Wir halten starke Reserven aus dem gesamten Bundesgebiet bereit", sagt der Einsatzleiter weiter. Bislang gebe es jedoch keinerlei Hinweise auf die Anreise gewaltbereiter Personen. Deswegen seien auch keine vorherigen Kontrollen geplant, beispielsweise an den Ortseinfahrten nach Greifswald.

Einwohner und Besucher der Stadt müssen sich jedoch auf weiträumige Sperrungen einstellen, da die Demonstration einmal im Kreis um die Innenstadt führt und dabei auch an der Europakreuzung als großem Verkehrsknotenpunkt der Stadt vorbeiführt. "Es wird erhebliche Verkehrsbehinderungen geben", so Ulf Dembski, Dezernent für öffentliche Ordnung. Stadtverwaltung und Polizei rechnen mit zahlreichen Tages-Gästen, die entweder den Weihnachtsmarkt oder das Mitternachts-Shopping besuchen wollen.

Die Bahnhofstraße wird ab morgens 9 Uhr voll gesperrt, die Bushaltestelle verlegt. Die Demonstration beginnt ab 12 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz mit einer Kundgebung. Der Tross, unterstützt von 15 Traktoren, wird sich gegen 13.30 Uhr in Bewegung setzen und einmal rund um die Innenstadt führen (siehe Grafik). Je nachdem wo sich der Demonstrationszug tatsächlich befindet, werden die entsprechenden Zufahrtstraßen zeitweise gesperrt. In den Straßen, die auf der Demonstrationsroute liegen, gilt komplettes Halteverbot. "Das ist auch im Interesse jedes Fahrzeugführers. Schließlich könnten Handtaschen gegen die Autos in den zum Teil sehr schmalen Straßen stoßen und sie beschädigen",wirbt Einsatzleiter Mächler um Verständnis. Die Beamten werden den Menschenzug nach vorne und hinten absichern.

"Nach der etwa zweistündigen Demonstration gibt es eine große Abschlusskundgebung am Bahnhof", so Ulrike Berger. Auf parteipolitische Redner habe man bewusst verzichtet, um die gesellschaftliche Breite der Protestbewegung darzustellen. Ursprünglicher Veranstaltungsort sollte der Rubenowplatz sein. Diesen lehnte die Stadt wegen der hohen Zahl der Protestler ab.

Aktueller Anlass für die Demonstration ist der für den 16. Dezember geplante Transport von vier Castoren mit hochradioaktivem Müll in das Zwischenlager Nord bei Lubmin. "Dort sollten nur Abfälle aus den Kernkraftwerken Lubmin und Rheinsberg gelagert werden", sagt Ulrike Berger. Diesmal handele es sich um Atommüll aus westdeutschen Forschungsanlagen. Der Protest richtet sich gleichzeitig gegen die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken.

Sollten am Sonnabend wirklich 4000 Demonstranten in Greifswald auf die Straße gehen, wird es die zweitgrößte, die es in der Stadt überhaupt gegeben hat. Im Januar 2001 demonstrierten 7000

Menschen gegen Rechtsextremismus. Damals waren 650 Polizeikräfte im Einsatz.

Die OZ wird Sie über alle Sperrungen, Umleitungen und Busverlegungen rechtzeitig informieren.

Ablauf der Großdemo

Treff- und Sammelpunkt ist am Sonnabend der Bahnhofsvorplatz. Dort gibt es ab 12 Uhr Live-Musik sowie Verpflegung. Es wird zwei Kundgebungen geben, eine vor der Demonstration und eine danach. Als Redner sind der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit vorgesehen, Oskar Gulla als Kopf der Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk, Kerstin Rudek, die Vorsitzende der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg und Ulrike Mehl, die stellvertretende BUND-Vorsitzende. Die Demonstration soll von 13.30 bis 15.30 Uhr dauern. Das Veranstaltungsende ist für 18 Uhr vorgesehen

Ostseezeitung-Greifswald

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