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05.08.2003
Absage nach massiver Insel-Kritik - Peenemünde: Referenten zerreißen Begleitprogramm und Umgang mit Nazi-Szene


Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Reißenweber

Insel Usedom. Mit scharfer Kritik am Umgang mit der Geschichte und mit Rechtsradikalen in der Region haben gestern die beiden Referenten Günther Jacob und Natan Sznaider eine für heute geplante Veranstaltung im Rahmen des Begleitprogrammes zur Peenemünder Wehrmachtsausstellung überraschend abgesagt. Das Rahmenprogramm ziele auf eine "Verwischung des Unterschiedes zwischen Tätern und Opfern des Nationalsozialismus", schreiben Jacob und Sznaider in einem fünfseitigen offenen Brief an den Leiter des Historisch-Technischen Informationszentrums (HTI) Peenemünde, Dirk Zache. Dies habe man erst jetzt im Internet entdeckt. Sznaider ist Soziologie-Professor am Academic College of Tel Aviv. Zugleich fürchten die beiden Referenten "vor diesem Hintergrund" um ihre Sicherheit, da die von ihnen konstatierte Verwischung "den Nazis eine passende Plattform für ihre eigenen Aktivitäten" biete, heißt es.

Das Museum reagierte gestern mit Bedauern. Eine Ersatzveranstaltung zu organisieren, sei in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich. "In dem Brief werden viele Dinge weggelassen. Beispielsweise ein Vortrag, der sich gerade mit dem Thema Opfer und Täter beschäftigt", sagte Zache auf Nachfrage. Für die Sicherheit der Vortragenden sei gesorgt - die Polizei habe zugesagt, alle Referenten begleiten zu können. Die Befürchtungen seien ebenso unbegründet wie die inhaltliche Kritik. Die sei "in keiner Weise gerechtfertigt und zeugt weder von Sachkenntnis der Ausstellung, wie sie seit dem Jahr 2001 existiert, noch von Kennnis der Bestrebungen, wie sie spätestens seit 1994, als sich das Land in die Umgestaltung der Gesamtkonzeption einbrachte, umgesetzt wurden", meinte Zache. Geplant war eine Veranstaltung mit den zwei Referenten unter dem Titel "Die deutsche Reue heißt Stalingrad - Kein Vergleichen, kein Verzeihen, nichts wieder gut zu machen. Die Versöhnungsverweigerung des Philosophen Vladimir Jankélévitch".

Sznaider und Jacob begründen ihre Absage auch damit, dass Usedom der deutschen Naziszene heute als "national befreite Zone" gelte. In "Karlshagen, Trassenheide, Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck, Golm (!) stellt die Zahl der 'Vorfälle' vieles in den Schatten, was man von anderswo her kennt", konstatieren die Autoren des Briefes. Die "unerträgliche Allgegenwart der braunen Schläger" werde noch gesteigert durch "das Verständnis", das ihnen viele Usedomer entgegenbrächten. Sznaider und Jacob zitieren in dem Zusammenhang "Landrat Kautz". Zudem würden die Deutschen in Veranstaltungen "ganz unverblümt als Opfer präsentiert". Leugnen und Vertuschen der massiven Nazipräsenz gehörten zum täglichen Brot auf Usedom, finden die Autoren. Vor Ort hätten jene das Sagen, "die gleich nach 1990 die Chance sahen, den (!) Kult um die Nazi-Rakete zu kommerzialisieren". Jacob und Sznaider waren gestern nicht zu erreichen.

Nordkurier-Usedom

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