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05.08.2003
Rostocker Ausstellung ehrt namhafte Güstrower - "100 jüdische Persönlichkeiten" im Max-Samuel-Haus - Exposition noch bis zum 22. November zu besichtigen
Güstrow/Rostock "100 jüdische Persönlichkeiten" heißt eine Ausstellung, die zurzeit im Rostocker Max-Samuel-Haus am Schillerplatz zu besichtigen ist. Auch bekannte Güstrower sind darunter.
Die vorgestellten Frauen und Männer haben vom 18. bis zum 20.Jahrhundert die Entwicklung nicht nur Mecklenburgs und Vorpommerns, sondern auch die des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik mitgeprägt. Zu den Protraitierten gehören Persönlichkeiten, die auch heute noch in jedem Lexikon zu finden sind, die Wissenschaft und Kulturgeschichte maßgeblich beeinflussten. So der Erfinder Siegfried Marcus aus Malchin, der auf der Wiener Ausstellung von 1864 das erste fahrbare Automobil konstruierte. Die Ausstellung am Schillerplatz zeigt eine gelungene Nachbildung dieses Fahrzeuges.
Einen besonderen Platz in der Ausstellung nimmt die Güstrowerin Zerline Gabillon ein, die über 39 Jahre lang Schauspielerin am Wiener Burgtheater war. Sie besetzte dort das Fach der "scharfen Dame" wie es damals hieß. Und nicht nur ihre auffallend rotblonden Haare prädestinierten sie dafür. Zerline Gabillon galt als Virtuosin des feinen Konversationsstückes, unübertroffen in der Wiedergabe weiblicher Intrigantinnen und ränkevoller Frauen, als Meisterin der scharfpointierten Rede. Zerline Würzburg, deren Eltern ein kleines Tuchgeschäft in der Nähe des Güstrower Marktes hatten, traf am Burgtheater ihren späteren Ehemann Ludwig Gabillon, ebenfalls ein Güstrower. 1856 heirateten sie in Wien. Wie man heute weiß, war das Haus der Gabillons am Opernring gesellschaftlicher Mittelpunkt der Donaumetropole. Zerline faszinierte auch mit ihren extravaganten Kostümen die Wiener Damenwelt. 1890 nahm sie mit dem Stück "Traum ein Leben" ihren Abschied von der Bühne. In der Ausstellung im Max-Samuel-Haus sind unter anderem Biographien über Zerline und Ludwig Gabillon zu sehen. Zu den 100 jüdischen Persönlichkeiten, die in der Ausstellung einen Platz fanden, gehören außerdem die Güstrower Löser Cohen, ein Memoirenschriftsteller und Bildhauer, der 1873 starb, Dr. Ernst Heilmann, Begründer einer Chemiefabrik, die unter anderem Milchzucker herstellte. Auch als Forscher und Erfinder machte er sich einen Namen, so auf medizinischem Gebiet mit Strophantin, in der Nahrungsmittelindustrie und Schwerchemie. Auch an den Güstrower Unternehmer Max Oppen, der die modernste Bettfedernfabrik Europas entwickelte und in den 30er-Jahren der größte Arbeitgeber Güstrows war, wird in der Ausstellung erinnert. Ein besonderes Kapitel wird der Familie Samuel aus Güstrow gewidmet. Max Samuel, der Vater, gründete die EMSA-Werke, die alle großen deutschen Schuhkonzerne mit der Gummibürste für Wildlederschuhe belieferte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gelang es der Familie, nach England zu emigrieren. Der in Güstrow geborene Sohn, Herbert Samuel, schenkte im August 1991 der "Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock" die Familienvilla Schillerplatz 10. Seitdem trägt sie den Namen "Max-Samuel-Haus".
Die Ausstellung ist noch bis zum 22. November zu besichtigen.
Marie-Louise Hänsel
Schweriner Volkszeitung-Güstrow
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