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05.09.2002
Bürgerschaft verbietet Heinkel- Ausstellung - CDU-Fraktion hält Reaktion für unangemessen
Stadtmitte (OZ) Solch eine hitzige Debatte der Bürgerschaft erlebte der Festsaal des Rathauses lange nicht mehr. Die Fraktionen von Bündnis 90, SPD und PDS warteten mit einem Eilantrag auf, die Heinkel- Ausstellung, die noch bis Sonntag geöffnet hat, sofort zu verbieten. Der Grund: Heinkel und die Heinkel- Werke würden aus einer unpolitischen Perspektive dargestellt. Das führe zu einer Verharmlosung der NS-Diktatur.
SPD-Fraktions-Chef Jochen Schulte kritisierte das "verzerrte Bild" der Ausstellung. Er schlug vor, später eine Heinkel-Ausstellung zu zeigen, die im Kontext der schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und der Herrschaft des Faschismus alle Fassaden beleuchte.
Maxi Malzahn, Fraktions-Chefin Bündnis 90, konnte weder Geschichtsfälschung noch Volksverhetzung erkennen. Sie beschwor mehrfach die negativen Auswirkungen des Weglassens von Informationen. Dadurch entstehe ein falsches Geschichtsbild. Gegen den Antrag aus den eigenen Reihen stellte sich Dr. Sybille Bachmann (PDS). Sie ließ während der Sitzung die Hände heben: Nur knapp jeder Zehnte hatte die Ausstellung tatsächlich gesehen. Bachmann distanzierte sich von einer Schließung. "Geschichte ist bunter als schwarz-weiß." Niemand könne sich aus ihr stehlen. "Ein Verbot leistet dem Vorschub." CDU, UCD und Oberbürgermeister sprachen sich für eine Aufarbeitung aus. Pöker wies vergangenen Montag an, die Ausstellung nicht zu verlängern.
CDU-Fraktions-Chef Kay-Uwe Nissen hätte die öffentliche Diskussion gern vermieden. "Um Schaden von der Stadt abzuwenden." Die schlecht besuchte Exposition werde jetzt interessant gemacht. Nissen erinnerte daran, dass bei der Airbus-Bewerbung Rostocks mit dem Pfund des Flugzeugbaus der Heinkel-Werke gewuchert worden sei. "Der Lehren gibt es viele, um sich der Wahrheit anzunähern", sagte Dr. Adam Sonnevend (UCD). Er fragte: "Woher nehmen Sie den Mut für den Antrag zur Schließung der Ausstellung, wo die meisten sie doch nicht gesehen haben?"
Die Macher der Ausstellung, der Förderkeis für Luft- und Raumfahrt, hatten betont, es ginge ihnen um eine "vorwiegend technisch-innovative Darstellung". Sie verwiesen auf Gesamtzusammenhänge.
Kultur-Senatorin Ida Schillen (parteilos) sprach von Heinkel als einem Kriegsverbrecher, von Geschichtsverfälschung und der Verharmlosung des Holocaust. "Ich distanziere mich von der Ausstellung", sagte die Senatorin sichtlich erregt. Benno Freitag (UCD) zur teilweise unsachlichen Debatte: "Wie diskutiert wird, ist blamabel. Es darf nicht in Oberlehrermanier gemaßregelt werden, wenn es andere Auffassungen gibt." In namentlicher Abstimmung votierte die Bürgerschaft mehrheitlich für eine Schließung der Ausstellung. Prof. Horst Pätzold (76), Ehrensenator der Uni, aus dem Publikum: "Eine Debatte ist gut." Er sei aber enttäuscht über den Verbotsbeschluss. "Rostock sollte ein Museum für Fluggeschichte schaffen."
Ostseezeitung-Rostock
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