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"Das Vergessen wäre das Schlimmste für die Opfer"
11.11.2010
von Brunhilde Schmidt
HAGENOW - Ehrfürchtig, gerührt und völlig überrascht stand der aus Amerika angereiste Gustav Gutman, Enkel von Samuel Meinungen, dem letzten jüdischen Gemeindevorsteher Hagenows, am Dienstagabend vor dem Grabstein seiner Großeltern Samuel und Julie Meinungen. Die Überraschung war Henry Gawlick, dem Leiter des Museums und seinen Mitarbeitern gelungen. Gefunden wurde der Grabstein kürzlich bei Arbeiten am ehemaligen jüdischen Friedhof in Hagenow. Der Fund war ein gut gehütetes Geheimnis bis zur Eröffnung des Hanna-Meinungen-Hauses, das seit Dienstagabend das Ensemble der Alten Synagoge in der Hagenower Hagenstraße komplettiert. Und zu dem historischen Anlass kam dann auch viel Besuch zur feierlichen Eröffnung, die in der Alten Synagoge stattfand. Herzlich begrüßter Gast war unter anderem der Landesrabbiner vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden in MV, Dr. William Wolff, sowie zahlreiche weitere Politiker vom Land, vom Kreis und der Stadt. Bürgermeisterin Gisela Schwarz würdigte das große Engagement vieler Bürger, die sich für die Fertigstellung des Ensembles seit Jahren intensiv einsetzten, wie Gerd Schneider, der ebenfalls Gast an dem Abend war. Landesrabbiner William Wolff mahnte bei der feierlichen Eröffnung: "Das Schlimmste, was wir den vielen jüdischen Opfern der Nazizeit antun können ist, dass wir sie vergessen". Gustav Gutman wies darauf hin: "Wir dürfen aber nicht nur an die Vergangenheit denken, sondern müssen auch die Zukunft im Blick haben." Er ist sich sicher, dass auch seine beiden kleinen Enkelinnen Rebecca und Moriah, die ihn mit ihren Eltern auf der Reise nach Hagenow begleiteten, die Geschichte der Juden nicht vergessen werden. Und diese wird in der Ausstellung, die dienstags und donnerstags von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr sowie am Sonntag von 14 bis 17 Uhr zu sehen ist, ausführlich gezeigt.
Das Mitarbeiterteam um Museumsdirektor Henry Gawlick hat in den vergangenen Monaten - auch Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit vielen Handwerkern der Region - in den Räumen der ehemaligen Religionsschule eine beeindruckende und interessante Ausstellung geschaffen. Mehr als 50 Ausstellungsstücke und Tafeln geben einen einmaligen Einblick in die Geschichte des jüdischen Lebens in und um Hagenow. Erinnert wird an zahlreiche Familien, wie die des Gemeindevorstehers Samuel Meinungen, des Besitzers der Käsefabrik Luis Davidsohn, des Arztes Dr. Hans Sommerfeld, die das Leben hier prägten. Zu sehen sind in Norddeutschland einmalige restaurierte Dokumente sowie verschiedene Grabplatten. Die jüdische Geschichte wird hier dokumentiert von 1333 bis in die Gegenwart.
Schweriner Volkszeitung-Hagenow
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