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02.08.2003
"Da treiben wir den bösen Geist aus" - Zum Jugendfestival in Prora erwarten die Veranstalter 15 000 Jugendliche - Folgeveranstaltungen geplant


Ralph Sommer

Prora. Deutschlands größtes Jugendfestival "Prora 03" wirft seine Schatten voraus. Drei Wochen vor der Eröffnung des internationalen Jugendtreffens am Strand von Rügen ist gestern das Festivalgelände eröffnet worden. Am "Koloss von Prora", mit dem einst die Nationalsozialisten ihr so genanntes "Kraft-durch-Freude-Seebad" (KdF) errichten wollten, werden vom 22. August an bis zu 15 000 Jugendliche erwartet. Insgesamt 13 Sonderzüge mit jeweils 800 bis 1000 Gästen werden Prora ansteuern. Die Gäste sollen zwei Blöcke der Riesen-Immobilie, über deren Zukunft Politiker seit 13 Jahren debattieren, für drei Tage in Beschlag nehmen. Angekündigt haben sich unter anderem 650 junge Polen und 150 Esten. Die weiteste Anreise habe ein junger Mann aus Ghana, sagt eine Organisatorin.

Logistische Meisterleistung

Die Vorbereitung des Treffens ist eine logistische Meisterleistung. Schon seit Monaten haben junge Leute die bisherige Baustelle am Ostseestrand vorbereitet. Mehr als 50 Großcontainer Schutt und Abfall mussten von dem 38 Hektar großen Areal entsorgt werden, um Platz zu schaffen für tausende Camper, die in Prora ihre Zelte aufschlagen wollen. Doch schon im Vorfeld werden Besucher erwartet. Gestern öffnete im Erdgeschoss von Block 5 eine Ausstellung über die geschichtsträchtigen Standorte Prora, Peenemünde und Alt Rehse. Und dem Block nebenan haben schon mal junge Künstler aus dem Ostseeraum mit futuristischen Arbeiten neues Leben eingehaucht. Nur ein Vorgeschmack auf das 450 Veranstaltungen umfassende Festivalprogramm mit 220 Sportmannschaften, 25 Theatergruppen und 300 künstlerisch tätigen Jugendlichen. "Dass wir in so kurzer Zeit derart viele Jugendliche aktivieren konnten, übertrifft meine kühnsten Träume", sagt der frühere Landtagspräsident Hinrich Kuessner (SPD), der die Leitung des Vereins "Prora 03" übernahm und einen Etat von 2,5 Millionen Euro einwerben konnte. Inzwischen seien auch Erwachsene auf den Geschmack gekommen: Für zwei Tage hat sich Bundespräsident Johannes Rau angesagt. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), CDU-Chefin Angela Merkel, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) und Gregor Gysi (PDS) wollen mit den jungen Leuten ins Gespräch kommen.

Vorfreude und Skepsis

Möglichst ungezwungen soll es zugehen. Doch Sicherheit werde groß geschrieben, sagt Mitorganisator Andre Harder. Dafür sorgen 134 Polizeibeamte vor Ort, eine mobile Sicherheitsgruppe mit 64 Kommissaranwärtern sowie 300 Marinesoldaten als Platzwärter und Betreuer. Mit von der Partie sind ferner 200 Ordner, die mit Bundesligaeinsätzen bei Hansa Rostock über Erfahrungen mit Großveranstaltungen verfügen. Spürhunde des Landeskriminalamtes sollen von vornherein verhindern, dass Drogen die Szenerie bestimmen. Das DRK ist mit zusätzlichen Ärzten und Sanitätern im Einsatz. Auf dem 1,5 Kilometer langen Festivalgelände wurden zusätzliche Telefonanlagen installiert, und sogar für einen Hubschrauberlandeplatz wurde gesorgt. Der Binzer Bürgermeister Horst Schaumann (parteilos) spricht von professioneller Vorbereitung. Aber es gibt auch Skepsis, vor allem unter den 900 Einwohnern von Prora. Man freue sich, dass sich nach der Schließung der Jugendherberge vor ein paar Jahren nun wieder Jugendliche in Prora treffen könnten, sagt Ursel Steinberg vom Ortsbeirat. Aber "ein bisschen zu monumental" scheint ihr die Veranstaltung doch geraten zu sein. Und die Internet-Ankündigung, man wolle "Prora den bösen Geist austreiben mit Workcamps, Feuer und Musik...", schüre Ängste unter den Anwohnern. Vereinschef Kuessner denkt bereits an einen Architekturwettbewerb, um aus Block 5 eine Begegnungsstätte für den Ostseeraum zu entwickeln. Alle zwei Jahre könnte sich dann dort die Jugend zu Großveranstaltungen treffen. "Prora 05" wirft seine Schatten voraus.

WEB-ADRESSE: www.prora03.de

Nordkurier

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