Impulse für das Miteinander
Mit rund 335 000 Euro sind in der Stadt Wolgast und im Amt am Peenestrom drei Jahre lang Projekte bezuschusst worden. Die gestern gezogene Bilanz kann sich sehen lassen: intensivere Bürgerarbeit, bessere Integration und größere Vielfalt.
10.11.2010
Wolgast - Die Stadt am Peenestrom soll für Weltoffenheit, Toleranz und eine engagierte Bürgerschaft stehen. Daran arbeiten viele seit Jahrzehnten, zuletzt aber hatte es gerade im Bereich der Gewaltprävention, der Kultur und des Sports an Mitteln gefehlt. Kommune und die umliegenden Amtsgemeinden machten aus der Not eine Tugend und bekundeten 2007 gegenüber dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ihr Interesse, an der Aktion "Vielfalt tut gut" teilzunehmen. Tatsächlich schafften sie es.
Gestern zogen die Verantwortlichen von Politik und Kirche, Schulen und Vereinen Bilanz. Insgesamt 42 Projekte in Wolgast und Umgebung wurden gefördert, innerhalb von drei Jahren mit immerhin 335000 Euro. Eine stolze Summe, für die allerdings auch eine Menge neuer Vorhaben "aus dem Boden gestampft" wurden. Ob die Aufarbeitung der Arbeit des Neuen Forums 1989, Theaterprojekte von Schülern, Aktionen des städtischen Präventionsrates, Fußballturniere und Integrationstage - das Miteinander der Bürger erhielt spürbare, neue Impulse. "Und was das Wichtigste ist - viele machten mit, engagierten sich", lobte Bürgermeister Stefan Weigler. Exakt am denkwürdigen 9. November hoben die Gesprächsteilnehmer auch Folgendes hervor: Demokratie und Toleranz bestimmen in der Stadt wieder stärker das Zusammenleben. Rechtsextreme Tendenzen konnten wirksam zurück gedrängt werden. Kulturamtschefin Gisela Kretschmer fand Zustimmung, als sie hervorhob: "Gerade im Alltag zeigt sich, ob Zivilcourage und das Einstehen für andere dominieren." Insofern müsse die Arbeit aber unbedingt fortgesetzt werden, dauerhaft und nachhaltig sein. Der Katalog der Ideen und Vorhaben bleibe offen:
"Alle sind eingeladen, mitzumachen." Und Landrätin Dr. Barbara Syrbe hob hervor, dass die Wolgaster in der Tradition stehen, eine aktive Zivilgesellschaft zu sein.
Die Menschen sollen sich noch mehr einmischen, laute eine der Forderungen. Ob beim Bürgerhaushalt, im Verein, beim gemeinsamen Kochen mit Aussiedlerfamilien oder beim Fest der Kulturen. "Sport statt Gewalt!" bleibe angesagt, Projekte gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gehörten an jede Schule. Dass nicht nur tolerante Leute in der Stadt zu Hause sind, muss Bürgermeister Weigler annehmen.
Denn das Schild "Ort der Vielfalt", am historischen Rathaus angebracht, ist schon wieder verschwunden. Ob durch Ganoven oder Rechtsextremisten abgeschraubt, sei dahingestellt.
STEFFEN ADLER
Ostseezeitung-Usedom
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