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Jugendliche engagiert gegen Rechts
08.11.2010
Von Jana Otto
Demmin. Etwa 60, vorwiegend junge Leute haben sich am vergangenen Sonnabendnachmittag auf dem Völschow Berg in Demmin zu einem "Antifaschistischen Aktionstag" getroffen. Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen und Konzerte am Abend standen auf dem Programm der Veranstalter. Zur Einführung bekamen die Zuhörer einen Vortrag von Paul Bedeking, der einen Einblick gab in die Neonazi-Szene in Mecklenburg-Vorpommern.
"Jeder Mensch sollte politisch sein und sich eine Meinung bilden", sagte der junge Mann, der sich ehrenamtlich seit langem mit dem Thema beschäftigt. Er informierte darüber, dass sich das Bild der Neonazis in den vergangenen Jahren stark gewandelt habe. "Die Kleidung ist längst kein Merkmal mehr und Haare haben sie auch", sagte Paul Bedeking. Bis zu dem Einzug der NPD in den Schweriner Landtag nach der Wahl 2006, seien Experten davon ausgegangen, dass sich die Neonazi-Szene auf zwei Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern beschränke. "Zum einen der Landkreis Ludwigslust und dann der Bereich Vorpommern, mit den Landkreisen Uecker-Randow, Nordvorpommern und Demmin", stellte Bedeking fest. Mit dem Einzug der NPD in den Landtag habe sich das geändert. Die Eröffnung verschiedener Bürgerbüros ermöglichte den NPD-Anhängern eine neue Infrastruktur. "Meiner Meinung nach kann man die Szene nicht mehr regional beschränken, eine Einteilung ist allentfalls aufgrund verschiedener Phänome möglich", fand Paul Bedeking. Und so stellte er in seinem Vortrag verschiedene Schwerpunkte da. Er ging unter anderem ein auf die Strukturen innerhalb der Szene, beschrieb Phänomene wie den Rechtsrock, Konzerte und Bands, aber auch die Verbindung zum Fußball. Seinen Ausführungen zufolge seien Neonazis in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens relativ gut integriert und das werde seiner Ansicht nach - auch aufgrund von Unkenntnis - zu wenig infrage gestellt. Gerade die Musikszene sei sehr differenziert. Sie beschränke sich nicht nur auf Rock, auch elektronische Musik, Schlager und Balladen hätten die Neonazis für sich entdeckt. Viele der Zuhörer nickten angesichts dieser Darstellung. "Mittlerweile hat fast jedes Kaff seine eigene Rechtsrock-Band", sagte ein Zuhörer und berichtete weiter, dass auch dort die Strukturen nur schwer zu durchschauen seien. "Und die Musikszene beschränkt sich nicht nur auf die Jugendkultur", wusste Paul Bedeking zu berichten. Laut seinen Beobachtungen habe die NPD ihren Wahlkampf für 2010 bereits vor einem halben Jahr begonnen, viel früher als alle anderen Parteien. "Sie sind personell viel besser als 2006 aufgestellt", machte Bedeking deutlich.
Nordkurier-Demmin
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