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25.07.2003
Alle dürfen mitbomben - Bundeswehr bestätigt, daß auch NATO-Partner im Wittstocker »Bombodrom« üben dürfen

Im Streit um die bevorstehende Wiederinbetriebnahme des »Bombodroms« bei Wittstock ist neuer Zündstoff aufgetaucht. Die Bundeswehr bestätigte Zeitungsberichte, wonach auf dem Luft-Boden-Schießplatz in der Kyritz-Ruppiner-Heide im Nordwesten Brandenburgs nicht nur Übungen der Bundesluftwaffe stattfinden sollen, sondern auch Einsätze anderer NATO-Luftstreitkräfte. Dagegen läuft die Bürgerinitiative »Freie Heide« Sturm, sie ruft zu weiteren Protesten auf. Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte am 9. Juli verkündet, daß die Betriebsgenehmigung für das jahrelang umstrittene »Bombodrom« erteilt wird. Gegen diese Entscheidung wollen Städte, Gemeinden und Naturschutzverbände sowie Einzelpersonen vor dem Verwaltungsgericht Potsdam klagen. Anwalt Reiner Geulen betonte, die Klagen würden »im Laufe der nächsten Woche« erhoben.

Ein Sprecher der Bundeswehr zeigte sich verwundert über die Aufregung, die sich nach Bekanntwerden geplanter Übungen anderer NATO-Staaten in der Region breit macht. Die Bundeswehr habe aus diesen Plänen »nie ein Geheimnis gemacht«, sagte er. Die Alliierten nutzten auch andere Militärübungsplätze in Deutschland mit. Deshalb sei es eine »Selbstverständlichkeit«, daß NATO-Luftstreitkräfte auch über dem Bombodrom üben würden. Allerdings seien deren Trainingseinheiten eingepaßt in das Nutzungskonzept der Luftwaffe. Die Zahl der vorgesehenen 1700 Einsätze pro Jahr erhöhe sich also nicht. Pro Einsatz müsse mit einem bis fünf Flügen gerechnet werden.

Der Sprecher wies Presseberichte zurück, in denen von einem neu einzurichtenden Schießplatz für Bodentruppen die Rede war. Für die Soldaten der geplanten Garnison in Wittstock, in die ein Luftwaffenausbildungsbataillon ziehen soll, werde auf dem Truppenübungsplatz lediglich eine Schießbahn für kleinkalibrige Waffen gebaut. Die Einrichtung der Garnison mit 800 Soldaten und 150 Zivilangestellten sei aber abhängig von der Inbetriebnahme des Militärareals. Der Sprecher sagte, der Bombenabwurfplatz solle nach Ende der Sommerferien in Brandenburg in Betrieb genommen werden. Der 18. August sei ein mögliches Datum. Die Klagen werden Geulen zufolge jedoch eine aufschiebende Wirkung haben.

Maximal 25 Stunden pro Woche werden dem Sprecher zufolge tagsüber nicht explosive Trainingsbomben abgeworfen. Bei Dunkelheit würden - vorwiegend im Winter - maximal 240 der insgesamt 1700 Einsätze geflogen. An Wochenenden, gesetzlichen Feiertagen, während der Sommerferien in Brandenburg, am jeweils letzten Freitag im Monat sowie zwischen Weihnachten und Neujahr ruhe der Flugbetrieb. Freitags gebe es generell nach 12 Uhr keine Abwürfe. Zwischen 11.30 Uhr und 14Uhr werde täglich eine Flugpause eingelegt.

»Der Widerstand geht weiter«, betonte ein Sprecher der »Freien Heide«. Die »nach und nach« ans Licht kommenden Pläne der Bundeswehr bestätigten »schlimmste Befürchtungen«. Am 3. August findet in Schweinrich die nächste Demonstration der »Freien Heide« gegen den Bombenabwurfplatz statt. Am Freitag beginnen die Sommeraktionstage »Nein zum Bombodrom«.

junge Welt

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