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28.07.2003
Rechte Szene marschierte unter Trommelwirbel - Polizei prüft Verstoß gegen Strafgesetzbuch - Wolgaster Bevölkerung
zeigt sich reserviert bis empört
Wolgast (OZ) Von Polizeihubschraubergedröhn begleitet und durch 270 uniformierte Beamte eskortiert und intensiv beobachtet sind am Sonnabendmittag etwa 400 Demonstranten durch Wolgast-Süd und -Nord gezogen. Sie waren aus vielen Teilen Deutschlands angereist, darunter aus Schleswig-Holstein und Hamburg, aber auch Berlin und Thüringen (ein verspäterer Bus traf noch aus Jena am Sammelplatz an der Bahnhofstraße ein) und gehörten sämtlichst der rechtsextrem-nationalen Szene an.
In Sprechchören sowie auf Transparenten protestierten die kurzhaarigen und kahlköpfigen, fast ausnahmslos sehr jungen Leute gegen die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht", die derzeit in Peenemünde gezeigt wird (OZ berichtete). Sie skandierten unter anderem "Opa war in Ordnung" und "Deutsche Soldaten - Heldentaten". Während der mit - durch die Ordnungsbehörde des Kreises genehmigten - Trommelwirbel angeführte Marsch weitgehend störungsfrei verlief, wurde in einer der Reden bei der Abschlusskundgebung an der Neubauerstraße die Waffen-SS zur Ehrung aufgerufen. Die Polizei prüft in dem Zusammenhang, ob damit der Tatbestand des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§ 86 a Strafgesetzbuch) erfüllt wurde. Wenn ja, folge eine Anzeige, so Polizeipressesprecher Axel Falkenberg.
Die auch aus der näheren Umgebung, von der Insel und aus der Uckermark angereisten Mitglieder und Sympathisanten der rechten Szene waren von Kräften der Polizeiinspektion Anklam, der Inspektion Zentrale Dienste, der Bereitschaftspolizei und dem Bundesgrenzschutz schon an den Zufahrtsstraßen kontrolliert worden. Gefährliche Gegenstände wurden nicht gefunden, so die Polizei.
Die Wolgaster Bevölkerung nahm den Aufzug mit einer Mischung aus Neugierde und Reserviertheit wahr, hielt sich jedoch sowohl beim Auftakt als auch bei der Abschlusskundgebung auf Distanz. Vereinzelt äußerten vor allem ältere Bürger ihren Unmut über die "Ewiggestrigen". Linke und demokratische Demonstranten pfiffen die Marschierer an der Ecke Hufelandstraße aus. Auf der B 111 kam es infolge der Demo zu längeren Staus.
Ostseezeitung
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28.07.2003
Kultur-Fest verdient Fortsetzung - Internationale Musikgruppen gefeiert - Beste Stimmung trotz mancher Regentropfen
Wolgast (OZ) Musik stand im Mittelpunkt des ersten "Festes der Kulturen", an dem - relativ kurzfristig organisiert - hervorragende Ensembles aus mehreren Ländern teilnahmen und für abwechslungsreiche Klänge sorgten. "Wolgast zeigt Courage" machte es logischerweise aber auch nötig, viel miteinander zu reden.
Von der Bühne taten dies zunächst zur Eröffnung Landrätin Dr. Barbara Syrbe und Bürgermeister Jürgen Kanehl, die aus unterschiedlicher Perspektive für die kritische Aufarbeitung der Geschichte des 2. Weltkrieges und der Verbrechen der Wehrmacht, die derzeit in Peenemünde dokumentiert werden, plädierten. Dabei sei jede Vereinfachung und Undifferenziertheit - insbesondere die der Rechten, die ihre Großväter glorifizieren - zu vermeiden, sagte Kanehl und Syrbe dankte all denen, die das unerlässliche zusätzliche Engagement für diese Altstadtparty nicht scheuten.
Das festliche Treiben in Wolgasts "guter Stube", dem aufwändig sanierten Rathausumfeld, lebte naturgemäß von den Auftritten der Musikgruppen, von denen besonders das aus Berlin angereiste russische "Malenki Fun Orchester" für seinen Auftritt viele Sympathien sammeln konnte. Aber auch alle anderen Akteure wurden heftig beklatscht und fühlten sich selbst sichtlich wohl in Wolgast.
Ein Umstand, auf den die Veranstalter auch abgezielt hatten - sich weltoffen, gastfreundlich und tolerant zu zeigen. Für köstliche Leckereien war ebenfalls ausreichend gesorgt, besonders der Kuchen fand reißenden Absatz, Stefan Weiglers Gulaschkanone war schneller als erwartet "leer gegessen", so dass per Grill für Nachschub gesorgt werden musste.
Die Kinder amüsierten sich beim Pflastermalen in der Langen Straße oder ließen sich die Haare bunt färben, konnten basteln und malen. Und an diversen Info-Ständen, u.a. zur Wehrmachtsausstellung, gab es ein ständiges Kommen und Gehen. Vertreter von "Bunt statt Braun" informierten während des mittäglichen Brückenzuges Autofahrer, die im demonstrationsbedingten Stau stehen mussten, über die Ursachen dafür.
STEFFEN ADLER
Ostseezeitung-Wolgast
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28.07.2003
Multikulti-Fest gegen rechte Demo - Bunte Veranstaltung auf dem Wolgaster Rathausplatz - Polizei mit starken Kräften im Einsatz
Wolgast (uq). Mit einem Fest der Kulturen haben die Wolgaster am Sonnabend einem Aufmarsch der rechten Szene die Schau gestohlen. Während die Demo gegen die Wehrmachtsausstellung in Peenemünde von den Einwohnern weitgehend ignoriert wurde, feierten die Wolgaster auf dem Rathausplatz ein buntes Multikulti-Fest mit Musik- und Folkloregruppen aus Togo, Polen Russland, Kuba und Deutschland, internationalen Leckereien, Spiel- und Bastelmöglichkeiten für Kinder und Angeboten von Kunsthandwerkern. Sehr gut sei auch eine Ausstellung mit Schülerplakaten angenommen worden, schätzte Gisela Kretschmer vom Präventionsrat der Stadt ein. Das Gremium hatte die Veranstaltung mit Unterstützung mehrerer Vereine und der demokratischen Parteien organisiert, um Einheimischen wie Gästen zu zeigen, dass nicht die Rechten das Bild der Stadt bestimmen. "Wir wollen deutlich machen, dass Wolgast eine weltoffene und tolerante Stadt ist", so Bürgermeister Jürgen Kanehl (SPD).
Er wie auch Landrätin Barbara Syrbe (PDS) betonten angesichts bestimmter Tendenzen in Deutschland ausdrücklich die Wichtigkeit der Peenemünder Ausstellung, "weil sie den Opfern des Zweiten Weltkrieges eine Stimme gibt", wie Syrbe sagte.
Umso enttäuschter zeigte sich Gisela Kretschmer über die schwachen Auflagen, die der Landkreis als Ordnungsbehörde für den Aufmarsch der Rechten festgelegt hatte. Zwar hatte die Stadt im Vorfeld etliche Bedingungen formuliert, diese seien vom Kreis jedoch kaum berücksichtigt worden, bedauerte sie und sprach in diesem Zusammenhang von "vorauseilendem Gehorsam".
Nach Angaben der Polizei marschierten in dem rechten Block etwa 400 Personen, die überwiegend aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch aus Brandenburg und Thüringen angereist waren. Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung setzte die Polizei über 200 Beamte, zahlreiche Fahrzeuge und einen Hubschrauber ein. Weitere 70 Beamte stellte der Bundesgrenzschutz. Zwischenfälle habe es jedoch weder während noch nach der Demo gegeben. Allerdings prüft die Polizei, ob eine Aussage zur Waffen-SS bei der Abschlusskundgebung strafrechtlich relevant ist.
Nordkurier-Usedom
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28.07.2003
Kommentar: Das war zu viel
Was muss, was kann eine Demokratie aushalten? Wenn ein Marschblock Neonazis, wirre Parolen skandierend, unter Polizeischutz durch ein friedliches Städtchen zieht? - Ja, zwar mit Bauchschmerzen, aber das Grundgesetz und die daran festgeschriebene Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit gilt auch für solche Typen.
Muss es die Demokratie dulden, wenn die Geschichte verdreht und gefälscht und Adolf Hitler nicht als Schuldiger, sondern als Opfer dargestellt wird, dem der Zweite Weltkrieg regelrecht aufgezwungen wurde? - Ja, das Recht der Meinungsfreiheit schließt leider auch das Recht zur Lüge ein.
Aber muss es sich eine Demokratie gefallen lassen, wenn ein unbelehrbarer Nazi in aller Öffentlichkeit und unter den Augen der Polizei eine bei den Nürnberger Prozessen zur verbrecherischen Organisation erklärte Truppe wie die Waffen-SS hochleben lässt. Das ist des Schlechten eindeutig zu viel.
Auch wenn die Polizei mittlerweile prüft, ob es sich bei dieser Aussage um einen Straftatbestand handelt, hier hätte es eines eindeutigen Stoppzeichens bedurft. Schließlich wird selbst ein mutmaßlicher Kaufhausdieb erst einmal vorläufig festgenommen, wenn nur der Verdacht einer Straftat besteht.
Uwe Quosdorf
Nordkurier-Usedom
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