Unruhestifter kehrt Greifswald den Rücken
20.09.2010
Greifswald (AZ). Nicht im Bösen, aber enttäuscht nimmt Sebastian Jabbusch Abschied von Greifswald. Der "Erfinder" des Studentenportals webMoritz.de, studentische Senator und Spiritus Rector der Kampagne "Uni ohne Arndt" war längere Zeit nicht in der Hansestadt zu sehen.
Große Teile der Uni und Stadt haben bereits aufgeatmet, als das maßgeblich von ihm vorangetriebene Bestreben, den Hochschulnamen "Ernst Moritz Arndt" abzulegen, durch eine Entscheidung des Senats beendet wurde. "Ich habe das akzeptiert", sagt Jabbusch. Was er aber nicht verstehen könne ist, "dass die Uni die kritische Auseinandersetzung mit dem Antisemiten, Rassisten und Chauvinisten Arndt", die weit über den Kreis der "Uni ohne Arndt"-Aktivisten reichte, sofort wieder einstellte. Die auch von Experten vielfach von der Hochschulleitung geforderte, regelmäßige Beschäftigung mit den Licht- und Schattenseiten des Namenspatrons zum Beispiel in Form einer jährlichen Veranstaltung, sei ausgeblieben. Es werde in der Sache verfahren wie ehedem. Jabbusch sagt, wenn das so weiter gehe, dann sei die nächste Auflehnung gegen Arndt absehbar. Nicht morgen oder übermorgen, aber in nicht all zu ferner Zeit, würden sich andere an seinen volksverhetzenden Positionen, die Tilo Sarrazin noch in den Schatten stellten, reiben und eine "Uni ohne Arndt" fordern. Wie der Umgang mit den künftigen Unruhestiftern aussehen wird, gilt als aufschlussreich dafür, ob die demokratische Kultur in der Hochschul- und Kommunalpolitik an Qualität gewinnt oder verliert. "Wenn es einer Kleiderordnung bedarf, um Rechtsextremistisches aus dem Erscheinungsbild der Uni bannen zu wollen, dann bedeutet das doch, dass das politische Klima unter den Studierenden und Hochschullehrern das zu leisten nicht leisten vermag", sagt Jabbusch. Dies und die Ächtung studentischer Aktivitäten mache die Uni für eine wichtige Personengruppe des demokratischen Spektrums unattraktiv. Stattdessen würde die NPD unter ihren Anhängen mittlerweile für ein Studium in Mecklenburg-Vorpommern damit werben, dass es hier viele Gesinnungsgenossen gebe.
Der Ruf der Uni leide zunehmend. Jabbusch, den Aktiven in der Piratenpartei, zieht es nach Berlin. Dort wolle er sich journalistisch betätigen und den Nordosten in guter Erinnerung behalten, wegen seiner schönen Landschaft und Greifswald "wegen der sympathischen Menschen, die es trotz alledem hier gab und gibt".
Nordkurier-Anklam
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