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Hansa-Chaoten überfallen Jugendtreffen in Prora

07.09.2010

Prora - Ein Zwischenfall hat das Jugendlager "Prora10" überschattet: Wie erst jetzt bekannt wurde, war das friedliche Treffen in der Nacht zum Sonnabend von stark alkoholisierten Anhängern des Fußball- Drittligisten FC Hansa Rostock überfallen worden. Die vermeintlichen "Fans" grölten rechts-extreme Parolen, griffen einen Stand der Links-Jugend an und attackierten Ordner.

Vier Einsatzwagen der Polizei wurden nach Prora geschickt, die Beamten brachten die Lage schließlich unter Kontrolle. Ein Angreifer zog sich dabei schwere Verletzungen zu.

Der Vorfall wurde erst gestern durch die Links-Jugend in Stralsund publik gemacht. Der Veranstalter von "Prora10", die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA), hatte die Attacke bisher verschwiegen. Die Links-Jugend spricht in einer Pressemitteilung von einem "Neonazi-Überfall" auf das bis dahin so friedliche Jugendtreffen. Kurz nach Mitternacht sollen die Hansa-Anhänger, die an ihrer Kleidung als solche zu erkennen waren, das Veranstaltungsgelände am Block V betreten haben.

Die Polizei nahm später von insgesamt zwölf Randalierern die Personalien auf, nach OZ-Informationen dürfte die Gruppe der Angreifer aber weit größer gewesen sein. Die Chaoten waren allesamt betrunken und sollen Parolen wie "White Power" und "Sieg Heil" gegrölt haben. Das bestätigt auch die Polizei. Von einem Angriff mit rechtsextremen Hintergrund will Uwe Werner, Sprecher der Polizeidirektion Stralsund, aber nicht sprechen.

Nach Angaben der Links-Jugend attackierten die Angreifer den Stand der Nachwuchspolitiker, bedrohten und beschimpften die Teilnehmer des Jugendtreffens. Dem Sicherheitsdienst gelang es nicht, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Gegen 1.23 Uhr wurde zunächst ein Streifenwagen nach Prora geschickt, kurze Zeit später forderte die Polizei Verstärkung an. "Bei den Randalierern handelte sich um Hansa-Fans der Kategorien B und C", so Polizeisprecher Werner. "Und C sind die Bösen." Vor dem Block V müssen sich in der Nacht tumultartige Szenen abgespielt haben: Es flogen Böller, Zeugen sprechen von einer Hetzjagd zwischen den Angreifern, dem privaten Sicherheitsdienst und den friedlichen Besuchern des Jugendtreffens. Die Polizei musste einschreiten. Drei Angreifer wurden von den Beamten kurzzeitig sogar gefesselt. "Wir mussten auch körperliche Gewalt anwenden", bestätigt Werner ein entschlossenes Vorgehen der Polizei. Ein Angreifer wurde während der Auseinandersetzung mit dem Ordnungsdienst und der Polizei schwer verletzt. "Der Mann musste mit dem Verdacht auf einen Fußgelenk-Bruch in die Klinik gebracht werden." Ein weiterer "Fan" - 23 Jahre alt aus Binz - wurde über Nacht mit auf die Wache nach Bergen genommen. Den zwölf Chaoten droht nun mächtig Ärger: Die Polizei ermittelt gegen sie wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollzugsbeamte sowie wegen des Rufens verfassungsfeindlicher Parolen.

Die Links-Jugend lobt das Vorgehen der Polizei, geht aber scharf mit den Organisatoren von "Prora10" ins Gericht: Der Sicherheitsdienst sei nicht ausreichend gewesen. Zudem habe der Veranstalter versucht, den Vorfall geheim zu halten.

ANDREAS MEYER

Ostseezeitung-Rügen

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