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Ein Dorf stellt sich gegen Hetze
04.09.2010
Ferdinandshof (wil). Es ist nicht leicht, herauszufinden, warum ein Brief eines Forensik-Insassen mit datenschutzrelevanten Angaben zu einem Mithäftling im Briefkasten des NPD-Landtagsabgeordneten Tino Müller landen konnte. Normalerweise sollte es eine Postkontrolle geben in einem Maßregelvollzug wie der Ueckermünder Forensik, die dem Sozialministerium untersteht. Doch, so beschied gestern am frühen Nachmittag der Sprecher des Ministeriums dem Nordkurier: "Die Fragen nach Meldepflicht, Briefgeheimnis beziehungsweise Briefkontrolle sind reine Vollzugsfragen - und liegen damit beim Justizministerium." Dort war am Freitagnachmittag niemand unter der Nummer der Pressestelle zu erreichen.
Das bewusste Schreiben eines Forensik-Patienten erreichte Müller bereits im April, kurz danach setzte die verbale Hetzjagd gegen den 34-jährigen Ex-Sträfling ein, die heute mit einer Mahnwache und am 11. September mit einem Aufmarsch unter dem Neonazi-Slogan "Todesstrafe für Kinderschänder" ihren traurigen Höhepunkt erreicht. Was tun, fragten sich die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am Donnerstagabend. Was tun in einer 2800-Seelen-Gemeinde, in dem die SPD bei der Kommunalwahl 2009 bei 8 Prozent dümpelte und die NPD mit 10 Prozent drittstärkste Kraft wurde, die Neonazis bislang aber trotzdem keine beachtenswerten Aktivitäten entfalteten?
Bislang! Jetzt werden die Aktionen gegen den Entlassenen, vor dessen Haus ein Schild mit der Aufschrift "Hier wohnt ein Kinderschänder" auftauchte, aber als "Aufruf zum "Mord" gewertet, wie Gerd Hamm, Gemeindevertreter und zugleich CDU-Kreischef, erklärte. Einmütig verurteilten die Gemeindevertreter das Vorgehen der rechtsradikalen Szene. Sie beschlossen, Landrat Volker Böhning (Bürgerbündnis) aufzufordern, bereits erteilte Genehmigungen aufzuheben. Eigentlich wollte sich Bürgermeister Gerold Seidler (CDU) vor allem einen Gemeindevertreter zur Brust nehmen: Tino Müller, der in seinem "Uecker-Randow-Boten" den Unmut gegen den ehemaligen Forensik-Insassen schürt. Doch Müller ließ sich kurz vor der Sitzung entschuldigen. "Das wundert mich nicht", so ein Gemeindevertreter.
Auch wenn noch nicht konkret feststeht, mit welchen Aktionen sich die Ferdinandshöfer gegen die NPD positionieren, zeigte sich Regina Krüger-Fincke vom Zentrum für demokratische Kultur sehr zufrieden. "Alle sind gegen die NPD-Hetze. Das habe ich in anderen Gemeinden auch schon anders erlebt."
Nordkurier
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