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22.07.2003
Das "Scheusal" lässt Anwohner nicht in Ruhe - Unverständnis für Standortentscheidung zu Asylbewerberheim
Von unserem Redaktionsmitglied Marlies Steffen
Neustrelitz. Für viele aus der Hittenkofer Straße war es von Anfang ein Dorn im Auge. Das in Plattenbauweise und mit fünf Stockwerken errichtete Gebäude mit der Nummer 28a thront in einer Straße, die sonst von Villen, Ein- und Mehrfamilienhäusern beherrscht wird. Nach jahrelangem Leerstand sorgt das "Scheusal", wie es mancher auch nennt, jetzt wieder für Unruhe. Das Asylbewerberheim soll dort einziehen, befand unlängst Innenminister Timm endgültig. Beim Vor-Ort-Termin des Nordkurier in der Hittenkofer Straße war die Zukunft des zu DDR-Zeiten als Internat errichteten Gebäudes denn auch ein wichtiges Thema. Wenngleich alle, die mit Redakteurin Marlies Steffen ins Gespräch kamen, klipp und klar sagten, es gehe nicht um das Thema Ausländer.
Unverständnis herrsche in der Hittenkofer Straße vor allem, weil sich vor Ort niemand wirklich angehört fühlt, wie Elke Runge aus der Nummer 27 betont. "Uns wirft man vor, nicht wählen zu gehen", aber gerade in dieser Sache habe man mit den Bürgern kein Gespräch gesucht. Auf ein Schreiben an den Landkreis habe es bis heute keine Antwort gegeben, ärgert sich die Altstrelitzerin.
Carola Ehlert aus der Nummer 22 fragt sich, was aus der Beruflichen Schule werden soll, wenn zwei so sensible Bereiche so dicht aneinander lägen. Zudem verweist sie darauf, dass das jetzt ins Gespräch gebrachte Haus auch nicht gerade die Anforderung nach einer zentralen Lage im Stadtgebiet erfülle. Die früher ebenfalls diskutierte, aber wegen der abseitigen Lage abgelehnte Liegenschaft in Lindenberg beispielsweise sei auch nicht weiter entfernt.
Friedhelm Zerbel , dessen Grundstück Nummer 31 unmittelbar an das künftige Heim grenzt, verweist auf die zahlreichen Auflagen, mit denen die Baugenehmigung für die Umbauarbeiten zustande kam. 31 Auflagen, so viel habe er im Zusammenhang mit einer Genehmigung noch nicht gesehen. Entsprechende Zweifel hegt der Altstrelitzer daran, dass die Finanzvorstellungen von jetzt 1 340 000 Euro zu halten sind. Zudem erinnert er daran, dass anfangs von "nur" 48 000 Euro für den Umbau die Rede waren. Fraglich ist für ihn auch, wie angesichts des Grundstückszuschnitts die geforderten Spiel- und Freizeitanlagen an dem künftigen Asylbewerberheim errichtet werden können. Skepsis auch bei Inge Masch , die in der Carl-Meier-Straße zu Hause ist, aber trotzdem in die Hittenkofer Straße kam.
Die Frau erinnert an ein Forum mit Bayerns Innenminister Beckstein, bei dem die Nachbarschaft einer Beruflichen Schule und eines Asylbewerberheims als bundesweit einmalig bezeichnet wurde. Die Bedenken, die seitens der Bürger damals vorgetragen wurden, seien nicht gehört worden, fühlt auch sie sich sowohl von Politikern als auch Behörden enttäuscht.
Nordkurier
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22.07.2003
Kommentar: Schilda kommt nun doch nach Altstrelitz
Es soll wohl so sein, Schilda kommt nach Altstrelitz. Allen vernünftigen Argumenten aus der Kreisstadt zum Trotz will das Land das künftige Asylbewerberheim in dem von den Anwohnern ungeliebten Klotz in der Hittenkofer Straße 28 a und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Beruflichen Schule einrichten. Von dem auch schon von offizieller Seite bescheinigten "Modellcharakter" der Angelegenheit - bislang ist in Deutschland kein zweites Beispiel einer solchen Nachbarschaft bekannt - einmal davon abgesehen, mit Blick auf die Zukunft Schule, stimmt diese Entscheidung nicht ruhig. Anstelle den Standort zu stärken und dort das von Stadt und Landkreis favorisierte und im Übrigen auch benötigte Internat zu zulassen, hat sich Innenminister Timm nun anders entschieden.
"Nur über’n Hof zur Schule" ist demzufolge keine Rechnung, die in Schwerin wichtig war. Die Finanz-Rechnung aber, die das Land offiziell aufgemacht hat, wird schon jetzt angezweifelt - immerhin abgerechnet wird zum Schluss. Aber: Den schwarzen Peter allein kann wohl das Land auch nicht bekommen. Mit einem schlüssigen Konzept hätte der Landkreis lange, bevor die jetzt in Schwerin abgelehnten Vorschläge auf dem Tisch lagen, pokern können. Hat er aber schlicht und einfach verpennt. Zu befürchten ist nun, dass die Entscheidung für den Standort Asylbewerberheim noch nicht die letzte Entscheidung über eine Immobilie in Neustrelitz ist. Dennoch: Die Asylbewerber können nichts für die jetzt beschrittenen Wege. Sie anderes spüren zu lassen, wäre wohl ein großer Fehler, der noch ganz andere Kreise ziehen würde.
Marlies Steffen
Nordkurier
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