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20.07.2003
Nazi-Schergen griffen auch in Demmin zu - Hitler-Attentat brachte Verhaftungen
Von unserem Redaktionsmitglied Georg Wagner
Demmin. Als in Deutschland im Gefolge des 20. Juli 1944 die nationalsozialistischen Machthaber Rache für das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler übten, griff die Geheime Staatspolizei (Gestapo) auch in Demmin zu. Dieses heute weitgehend unbekannte Stück an Stadtgeschichte beschreibt Margot von Schade in ihrem 1988 bei Langen Müller erschienenen Buch "Gerettetes Leben. Erinnerungen an eine Jugend in Deutschland".
Die Autorin, damals 21 Jahre alt, zählte selbst zu den Opfern - ebenso wie unter anderem ein Major Hans Viktor von Salviati, der im April 1945 von einem Sicherheitsdienst-Kommando erschossen wurde. Beide waren keine gebürtigen Demminer, sondern im Zusammenhang mit dem Krieg nach Vorpommern gekommen.
Die aus dem heutigen Rheinland-Pfalz stammende Margot von Schade hatte im April 1944 eine Stelle als Bereiterin an der damaligen Wehrkreis-Reit- und Fahrschule II in Demmin erhalten. Deren Einrichtungen waren nach Auskunft des Demminer Stadtchronisten Heinz-Gerhard Quadt auf die verschiedenen Ulanen-Kasernen in der Stadt aufgeteilt.
Die Arbeit dort habe ihr größte Freude bereitet, bekennt Margot von Schade in ihrem Buch. Mit den Verschwörern des 20. Juli hatte sie offenbar nichts zu tun. Vielmehr war es eher Leichtsinn und Naivität, die ihr einen langen Weg über den berüchtigten Volksgerichtshof durch Gefängnisse und Zuchthäuser eintrugen. Denn die temperamentvolle junge Frau machte aus ihrer Abneigung gegen des Regime kein Hehl. "Was meine Meinung war, mußte ich vor allen Wohl- oder Übelwollenden lauthals verkünden", schreibt sie.
So auch am 20. Juli 1944. In ihrem Quartier hörte sie im Radio eine Sondermeldung über das Attentat auf Hitler - und hielt den Diktator für getötet: "Eine ungeheure Aufregung und ein überschäumendes Glücksgefühl bemächtigte sich meiner", beschreibt Margot von Schade diesen Augenblick. Gemeinsam mit Hans Viktor von Salviati feierte sie mit einer Flasche Sekt den vermeintlichen Tod Hitlers. Doch sie unterlag einer Fehlinterpretation mit fatalen Folgen.
Bereits am Nachmittag des 20. Juli mussten sich auf Befehl alle die damals im Rundfunk ausgestrahlte Rede Hitlers anhören. "Eine bedrückende Ernüchterung bemächtigte sich unser", heißt es in dem Buch. Wenige Tage später wurden von Salviati, dann auch von Schade sowie mehrere andere Personen in Demmin verhaftet.
Zum Tod verurteilt
Am 17. November 1944 wurde Margot von Schade vom Volksgerichtshof unter Vorsitz Roland Freislers zum Tod verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es: "Margot von Schade hat die Meuchelmörder vom 20. Juli verherrlicht, das Mißlingen des Mordanschlages auf unseren Führer bedauert, unseren Führer aufs niedrigste verächtlich zu machen gesucht und in schamloser Selbsterniedrigung mit einem Russen sich `politisch` unterhalten" (zitiert nach: M. von Schade, Gerettetes Leben). Zwei mitangeklagte Frauen wurden freigesprochen. Das Todesurteil gegen von Schade wurde von den Nazis jedoch nicht mehr vollstreckt. Sie überlebte das Kriegsende, starb im Januar vergangenen Jahres in Steinhorst.
Nordkurier-Demmin
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