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21.07.2003
Schräg, schrill und völlig entspannt - Mehr als 1000 Teilnehmer bei der ersten CSD-Parade

Bunt, fröhlich und friedlich war die erste Christopher-Street-Day-Parade in Rostock. Mehr als 1000 Lesben und Schwule zogen am Sonnabend durch die Innenstadt.

"Ein absolut prickelndes Gefühl, so an den Passanten vorbeizuziehen", schwärmt Ronny Schmidt, der mit seiner Concept Company einen großen Teil der Organisation übernommen hat. Der Umzug übertreffe alle Erwartungen. 15 Wagen wurden von den Rostockern meist lächelnd, manchmal etwas verständnislos betrachtet. Pöbeleien oder diskriminierende Sprüche am Rande? Ronny Schmidt wehrt ab: "Nicht ein einziger."

Auf dem Rathaus flattert die Regenbogenflagge. Finanzsenator Sebastian Schröder spricht: "Heterosexualität ist eben nicht die ,richtige' oder ,normale' Lebensform, nur weil sie weiter verbreitet ist. Und Homo- oder Transsexualität sind gerade deshalb nicht ,falsch' oder ,unnormal', nur weil sie seltener vorkommen und alles Seltene leider häufig imer noch befremdet." Dann nimmt der schrille Zug bei 29 Grad im Schatten seinen Weg durch die Kröpeliner Straße. Vorneweg räkelt sich Fabiana Franca im blau-weißen Fummel mit ausladender Federboa auf ihrem Cabrio. Dahinter reiht sich die Berliner Samba-Gruppe Sorhdo und Gomorra ein - ganz in Gold, außerirdischen Wesen gleich. Auf den Köpfen tragen sie mal mit Augen besetzte Turbane, mal überdimensionale Teesieb-ähnliche Gebilde. Hintendrein spaziert ein Grüppchen weißhaariger älterer Damen mit Regenbogenfahnen in den Händen. Oben auf dem Rat-und-Tat-Lkw tummeln sich unter anderem die Kandidaten für den Drag-Queen-Kontest und Comedy-Star Thomas Herrmanns. Nur einen kleinen Moment blicken sie irritiert nach vorne. Ein Transparent vor dem Kühler legt den Wagen vorübergehend lahm. Doch wen stören schon solch banale Details? Statt Bonbons fligen Kondome ins Publikum. Und abgesehen von der Sozialistischen Alternative Voran, die hier, wie bei jeder anderen Demonstration versucht, ihre Anstecker zu verkaufen, sind die politischen Botschaften fantasievoll verpackt.

Beim Straßenfest in der Leonhardstraße tanzen später nicht etwa Homos und Transen für sich alleine. Es hat sich herumgesprochen, dass diese Szene zu feiern versteht. Männer stolzieren gekonnt auf steilen Hackenschuhen, Lederkerle bieten der Sonne mit freigeschnittenen Pobacken gefährliche Angriffspunkte. Und unter denen mit den ganz normalen Klamotten trägt einer ein beschriftetes T-Shirt: "Früher war auch nicht jeder schwul". Ein entspanntes Miteinander.

Katja Bülow

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