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Ein Ort für Neonazis
Ohne sichtbaren Protest der Zivilgesellschaft marschierten die rund 250 Teilnehmer der NPD-Demonstration am Samstag durch Anklam - der NPD-Parlamentarier Michael Andrejewski hat jetzt für jedes Wochenende im September ein Kinderfest angemeldet.
02.08.2010
Das vom Anklamer Bürgermeister Michael Galander vollmundig angekündigte neue "Zeitalter", an dem er den Neonazis zeigen wolle, dass für sie kein Platz in der Stadt sei, begann mit geschlossenen Fenstern und Türen, Stillschweigen und Weggucken. Stiller Protest und cooles "kalte Schulter"-Zeigen - ausgerechnet in Anklam.
In einer Stadt, in der die SPD bei den Kommunalwahlen 2009 weniger Stimmen als die neonazistische NPD erhielt, und in der laut einer aktuellen Studie des Bielefelder Forscherteams um Wilhelm Heitmeyer 34 Prozent der Bürger die NPD als normale Partei ansehen, begnügte man sich damit, gelbe Schilder mit der Aufschrift "Kein Ort für Neonazis" aufzuhängen.
"Nationale Volksbibliothek" in der Kaufhalle
So wurde der 31. Juli doch ein Ort für Neonazis in Anklam. Rund 250 reisten an. Unter dem Motto "Gegen kinderfeindliche Bonzen - für eine lebenswerte Zukunft in unserer Heimat - Freiheit statt BRD" protestierten sie gegen das Verbot eines NPD-Kinderfestes in der Stadt. Bereits in der Nacht zum Samstag hatten sie dafür gesorgt, dass ein Großteil der Protestschilder zerstört, beschmiert oder wie am Rathaus einfach abgerissen worden war.
Provokativ frühstückte eine Gruppe von Rechtsextremen auf der Straße vor der von ihnen erworbenen ehemaligen Kaufhalle in der Innenstadt. Dort soll eine "nationale Volksbibliothek entstehen", der NPD-Landtagsabgeordnete Michael Andrejewski betreibt in dem Gebäude bereits ein Bürgerbüro.
Zustimmung und Applaus für die NPD
Anwesende Journalisten und Fotografen wurden nicht nur vor dem rechten Laden "New Dawn" belästigt, wie die Presseagentur dpa berichtet, sondern mussten sich in der gesamten Stadt vorsehen, da die Polizei sich darauf beschränkte, die Neonazi-Demonstration nur mit Fahrzeugen vor und hinter dem Aufmarsch abzusichern. "Es war eine unangenehme Demo, ein schlechter Tag für Anklam", kommentiert ein Beobachter. Es habe, außer einem einzigen engagierten Mann aus der Umgebung, überhaupt keinen sichtbaren Protest gegeben. "Es war ihre Stadt", resümiert ein Anderer.
Die rechtsextremen Redner Michael Andrejewski, Udo Pastörs und Lutz Giesen hatten ihre menschenverachtenden Reden ungehindert ans Volk bringen können. In der Südstadt zum Beispiel lauschte eine Gruppe von 30 bis 40 Anklamern den Rechten interessiert. Stolz berichtet die NPD, es habe viel Zustimmung und sogar Applaus gegeben.
Stiller Protest, 10 000 verschickte Handzettel und ein paar Plakate halten Neonazis in Vorpommern nicht mehr auf. Zielstrebig hat NPD-Mitglied Andrejewski jetzt für jedes Wochenende im September ein Kinderfest in Anklam angemeldet.
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