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02.09.2002
1000 Polizisten sicherten Demo - Passanten in der Innenstadt machten ihrem Unmut über rechten Aufmarsch Luft
Stadtmitte (OZ) Ein beängstigendes Bild bot die Innenstadt am Sonnabend. Rechtsradikale marschierten lautstark durch die Straßen, Polizisten standen an jeder Ecke. 1000 Beamte der Polizei aus drei Bundesländern und vom Bundesgrenzschutz waren im Einsatz. Sie hatten den Auftrag den Aufmarsch von 83 Rechtsradikalen zu sichern, die für die Freilassung ihres Gesinnungsgenossen Manfred Roeder demonstrierten. Der 73-jährige NPD-Führer war vom Rostocker Landgericht wegen Volksverhetzung zur einer eineinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden.
Vor dem Landgericht in der August-Bebel-Straße hatten 20 Gegendemonstranten eine Sitzblockade veranstaltet. Deshalb lenkten die Polizisten die Rechtsradikalen auf die Gegenspur, wo diese unter lautstarkem Protest der Gegendemonstranten ihre erste Zwischenkundgebung abhielten.
Als die Rechten den Neuen Markt erreichten stießen sie auf den offenen Unmut der Marktbesucher. Sofort ertönten die ersten "Nazis raus!"-Rufe. Schnell sammelte sich eine Traube von Bürgern, die den Rechten den Stinkefinger zeigten und mit Pfiffen und Rufen deren Kundgebung störten. Als eine afrikanische Trommlergruppe dazu kam, wurde aus der Gegenveranstaltung sogar ein kleines Friedensfest. Das "Bündnis Rechts" versuchte dennoch, einem breiteren Publikum seine Parolen nahe zu bringen. Aber unter den gegebenen Umständen war dies unmöglich geworden.
Die Gruppe afrikanischer Trommler hatte zuvor schon vor der Marienkirche auf das Anliegen der Bürgerinitiative "Bunt statt Braun" aufmerksam gemacht, dem rechten Aufmarsch nicht die Innenstadt zu überlassen. Dadurch waren zahlreiche Passanten sensibilisiert. Die Polizei, die vor dem Gericht noch 55 Gegendemonstranten kurzzeitig in Gewahrsam genommen und deren Personalien festgestellt hatte, beschränkte sich auf dem Neuen Markt darauf, die Akteure unterschiedlicher Gesinnung voneinander fern zu halten. So konnten mehrere Hundert Innenstadt-Besucher ihrem Unmut darüber Luft machen, dass Rostocks Zentrum zur besten Einkaufszeit Schauplatz eines rechten Aufmarsches mit hoher Polizeipräsenz war. Die 83 Demonstranten waren bei ihrem abschließenden Marsch durch die Lange Straße inmitten des Polizei-Cordons kaum mehr wahrzunehmen.
Wegen des Verdacht der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen stellte die Polizei gegen zwei Männer Strafanzeige. Einer hatte auf seinen Körper tätowierte SS-Runen zur Schau gestellt der zweite hatte nach Beendigung der Demonstration den Hitlergruß gezeigt.
Ostseezeitung-Rostock
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