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12.08.2002
Hund auf Ausländer gehetzt - Zwei Jahre Haft


Stralsund (OZ) Zwei Jahre Haft für Christian Pöhl, ein Jahr und sechs Monate ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung für Lars Kramer (alle Namen von der Redaktion geändert). Für einen dritten Angeklagten kam es zum Freispruch.

Fast gleichgültig und ruhig verfolgten die jungen Männer die Verhandlung und die Urteilsverkündung. Das gleiche ruhige Verhalten in der Nacht vom 12. zum 13. April 2002 hätte sie davor bewahrt, dass sie sich jetzt vor dem Amtsgericht wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung und räuberischer Erpressung verantworten mussten. In dieser Nacht wollten die Angeklagten von zwei ausländischen Mitbürgern Geld erpressen, schlugen sie und hetzten einen Hund auf eines der beiden Opfer.

Zuvor waren die drei Stralsunder unterwegs gewesen und hatten in einem Club Bier getrunken. Auf dem Nachhauseweg begegneten ihnen direkt vor der Haustür des 31-jährigen arbeitslosen Pöhl die Araber Kahil und Ari. Durch deren laute Unterhaltung fühlte sich Lars Kramer angegriffen. "Die haben so laut gebrabbelt und dabei in unsere Richtung geschaut. Also ging ich rüber und fragte, was ihr Problem ist." Pöhl gesellte sich dazu und forderte von dem 30-jährigen Kahil Geld. Wie der Zeuge vor Gericht aussagte, faselte Pöhl etwas von: "Scheiß-Kanaken, ihr lebt doch von unseren Steuern, da können wir uns auch mal Geld zurückholen." Schließlich kam es zu Handgreiflichkeiten, wobei sich der 29-jährige Kramer mit dem 18-jährigen Ari "befasste" und Pöhl auf Kahil losging. Plötzlich lief Pöhl in seine Wohnung und kehrte mit seinem Hund Adolf, einem American Stafford, zurück. Mit dem Befehl "Fass!" ging Adolf gezielt auf Kahil los. Er biss ihm in die linke Wade, riss ihn zu Boden und fügte ihm weitere Verletzungen zu. Erst als der Mann bereits auf der Erde lag, wurde der Hund zurück gerufen, und auch Kramer liess von Ari ab. Die beiden Opfer konnten fliehen und wenig später die Polizei verständigen.

Zwei Wochen verbrachte der in Schwerin lebende Kahil im Stralsunder Krankenhaus. Von dem Überfall blieben eindrucksvolle Narben und noch immer währende Schmerzen zurück. Zu seiner Verteidigung brachte Pöhl vor Gericht: "Ich hörte nur, wie einer der beiden Ausländer was von einer Waffe faselte. Da holte ich Adolf, eigentlich nur zur Abschreckung." Niemand hatte aber eine Waffe gesehen.

Für Christian Pöhl bedeutete dieser Abend den Einzug ins Gefängnis. Das beeindruckende Vorstrafenregister und die Schwere der Tat veranlassten den Richter, der Forderung der Staatsanwaltschaft, zwei Jahre Haft, nachzukommen. Auch die Entschuldigung Pöhls bei dem Opfern wirkte nicht strafmildernd. "Ihre Entschuldigung können Sie sich sonst wohin stecken, die ist doch niemals ernst gemeint", so der erboste Richter. "Wer seinen Hund gezielt als Waffe gegen Ausländer benutzt und uns hinterher erzählen will, das Tier sei nicht abgerichtet und die Tat hätte keinen rassistischen Hintergrund..." Das Urteil für Lars Kramer sei ein "letzter Schuss vor den Bug".

Strafmildernd wurde ihm angerechnet, dass er sich bereits im Vorfeld schriftlich bei seinen Opfern entschuldigt hatte. Und mit einer Schmerzensgeldstrafe von 3000 Euro hat Kramer die "dankbare Gelegenheit, zu beweisen, dass er die Entschuldigung ernst meinte", so der Richter. MIRIAM WEBER

Ostseezeitung-Stralsund

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