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Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.

Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen 1992.

30.08.2007

Veranstaltungsflyer
Veranstaltungsplan als pdf-Datei, 744 KB
Eine Veranstaltungsreihe von Rostocker antifaschistischen und antirassistischen Gruppen.

15 Jahre sind seit dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen vergangen. Über mehrere Tage hinweg hatten Neonazis und Anwohner/innen unter Beifall und Beihilfe tausender Zuschauer/innen eine Flüchtlingsunterkunft und ein Wohnheim vietnamesischer Vertragsarbeiter/innen angegriffen. Auf dem Höhepunkt der Ausschreitungen wurde ein Gebäude angezündet. Mehr als 100 Menschen konnten nur knapp dem Tod in den Flammen entgehen. Polizei und Politik waren überfordert oder blieben untätig.

"Lichtenhagen '92" bleibt ein Symbol für das Umschlagen von Rassismus und Nationalismus in mörderische Gewalt, für die fortdauernde Ausgrenzungspolitik gegenüber Migrant/innen und nicht zuletzt für Verdrängung und Schlussstrichmentalität angesichts der kollektiven Scham über das Pogrom.

Mit der Veranstaltungsreihe "Verantwortung denken. Erinnerung schaffen" sollen die Ereignisse zurück in den Blick der Öffentlichkeit geholt werden. Zugleich sollen Kontinuitäten etwa von rechter Gewalt oder Rassismus aufgezeigt und diskutiert werden, die seit 1992 bis in die Gegenwart hinein wirken.

Die veranstaltende Initiative ist ein Bündnis antifaschistischer und antirassistischer Gruppen aus Rostock, das sich der Erinnerung an die Ausschreitungen verschrieben hat. Unter anderem beteiligen sich die Antirassistische Initiative Rostock, die Antifaschistische Gruppe A3 Rostock, der Soziale Bildung e. V., die linke Jugendgruppe LI*MO und der Opferberatungsverein Lobbi e.V. an ihr.

The Truth lies in Rostock

29.08.2007 20 Uhr, Waldemarhof, Waldemarstraße 33

Mit mehreren Ankündigungen in der Lokalpresse begannen im August 1992 die Angriffe auf eine Flüchtlingsunterkunft in Rostock-Lichtenhagen und griffen schnell auf ein benachbartes Wohnheim von Vertragsarbeitern aus Vietnam über. Fast unbehelligt von der Polizei und mit Unterstützung tausender Anwohner/innen konnten die Angreifer/ innen tagelang wüten.

Ole Weidmann, Anwalt, wurde in den angegriffenen Häusern Augenzeuge und Betroffener der Ereignisse. Er wird über seine Erfahrungen berichten und die damalige Situation bewerten.

Warum Demokraten die (Neo-)Faschisten nur verbieten, nicht aber kritisieren können

04.09.2007 19 Uhr, Universität Rostock, Institut für Physik, Universitätsplatz 3

In der Demokratie gibt es Rassismus nicht. Und wenn doch, dann handelt es sich um Ewiggestrige, verirrte Jugendliche oder Neonazis. Die ganze Wahrheit kann das nicht sein. Denn wenn, wie es überall heißt, die rassistische Ausländerfeindlichkeit "aus der Mitte der Gesellschaft" kommt, dann ist zumindest die Frage zu stellen, inwieweit nicht das demokratische Deutschland diesen Rassismus selbst hervorbringt.

Freerk Huisken, Professor an der Universität Bremen, veröffentlichte 2001 "Deutsche Lehren aus Rostock und Mölln" und "Brandstifter als Feuerwehr: Die Rechtsextremismus-Kampagne".

Von Lichtenhagen in den Landtag

10.09.2007 19 Uhr, "Dau wat" e.V., Am Schmarler Bach 3

Neonazis als Skinheads in Springerstiefeln prägten 1992 das Bild des Rechtsextremismus in Rostock. Inzwischen hat er jedoch sein Aussehen geändert: Adrette junge Männer besetzen Themen der Kommunalpolitik, während Kader in Schlips und Kragen im Landtag schmissige Reden schwingen. Doch so sehr sich die menschenverachtende Propaganda der Rechten seit 15 Jahren wandelt, geht sie immer auch einher mit Gewalt.

Andreas Speit, freier Journalist aus Hamburg, recherchiert seit Jahren zur Neonazi-Szene in Norddeutschland. Zuletzt veröffentlichte er "Rechtsextremisten in Norddeutschland. Wer sie sind und was sie tun!"

Vom Recht auf Asyl zum Abwehrkampf gegen Flüchtlinge?

19.09.2007 19 Uhr, Haus Böll, Mühlenstraße 9

Die Ausschreitungen von 1992 in Rostock-Lichtenhagen standen unmittelbar im Zusammenhang mit der Debatte um die Begrenzung des Asylrechts in Deutschland. Jene Maßnahmen, die immer zu Lasten von Asylsuchenden gingen, fanden ihren Höhepunkt in der faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl - als Folge des Pogroms. Maßnahmen zur Abwehr von nicht-gesteuerter Migration sind seitdem fortgeschritten und haben mit der europäischen Einigungspolitik eine neue Qualität erreicht.

Gisela Reher, Diplom-Sozialökonomin, ist als Mitglied des No Lager-Netzwerks Hamburg im Bereich von Flüchtlings- und Migrationspoltik tätig.

Erinnerung und Kultur nach Rostock-Lichtenhagen

24.09.2007 19 Uhr, Rotunde DBG-Haus, August-Bebel-Str. 89

Schon im Oktober 1992 gab es Versuche, ein Gedenken an die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen durchzusetzen. Die Initiative einiger Engagierter aus Frankreich, eine Gedenktafel am Rostocker Rathaus anzubringen, endete jedoch im Polizeigewahrsam. Im Rückblick auf diese Versuche der Erinnerungsarbeit sollen die bisherige Erinnerungsarbeit bis heute auf ihre nachhaltige Wirkung überprüft werden. Dabei stellen sich Fragen, warum Gedenken wichtig ist und an was überhaupt erinnert werden soll.

Beate Klarsfeld, eine der Initiatorinnen der Aktion im Oktober 1992, macht seit Jahrzehnten auf das Fortwirken des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik und mangelnde Erinnerungsarbeit aufmerksam. Zuletzt drängte sie gegen lange Widerstände die Deutschen Bahn dazu, sich mit ihrer Beteiligung an den Deportationen des Holocaust auseinanderzusetzen.

Podiumsdiskussion: 15 Jahre nach Lichtenhagen: Aufgearbeitet, vergessen oder verdrängt?

04.10.2007 19 Uhr, Universität Rostock, Aula, Universitätsplatz

Mit den Auseinandersetzungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 waren eine Vielzahl unterschiedlicher Personen und Institutionen befasst. Sie alle haben unterschiedliche Blickwinkel auf die Ereignisse, ihre unmittelbaren Folgen und ihre langfristige Wirkung. In einer Podiumsdiskussion sollen Betroffene, Entscheidungsträger und Beobachter der Ausschreitungen zu Wort kommen. Dabei soll neben der Bewertung der Ereignisse durch die Teilnehmer/innen ein Blick auf den öffentlichen Umgang mit ihnen geworfen werden. Es ist zu hinterfragen, was für eine Bedeutung die Erinnerung an 1992 heute hat.

Hajo Funke (Professor für Politik und Kultur, Berlin), Wolfgang Richter (Ausländerbeauftragter) (angefragt), AktivistInnen aus damaligen Anti-Rechts-Initiativen (angefragt), Bunt statt Braun, Rostock, Dien Hong e.V. (angefragt), Peter Magdanz (damaliger Innensenator) (angefragt), Moderation: Heike Kleffner

::Action::

Die neuen Kreistage und die neuen Nazis
Infoveranstaltung
06.02., Café Median Rostock

Dresden Nazifrei 2012!
Infoveranstaltung
08.02., AJZ Neubrandenburg

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::Presse::

03.02.2012 [NK]
Caffier will Gesichtsscanner in Fußballstadien / Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der CDU-Politiker Lorenz Caffier, will Gewalttäter künftig mittels Gesichtsscanner aus Fußballstadien fernhalten.

03.02.2012 [NK]
Streit um die "Fight Night" / Ellenbogenstöße gegen den Kopf, Fußtritte gegen den am Boden liegenden Gegner, Würgegriffe: Aber bei der "Fight Night" am Sonnabend geht's nicht nur im Ring heftig zur Sache.

03.02.2012 [OZ]
Letztes abgelegenes Asylbewerberheim schließt 2013 / Das letzte abgelegene Asylbewerberheim in Mecklenburg-Vorpommern wird zum 30. Juni 2013 geschlossen.

03.02.2012 [OZ]
Handy-Überwachung: / Polizei verschickt 14 100 Schnüffel-SMS

02.02.2012 [NK]
Flüchtlingsheim macht im Juni 2013 dicht / Sanierungskosten sind selbst Innenminister Lorenz Caffier zu viel. Die Asylbewerber werden in anderen Heimen und vielleicht auch dezentral untergebracht.

02.02.2012 [TAZ]
Wie sich die Rechten bei Sven Krüger revanchieren / Soli-Sampler für Straftäter

02.02.2012 [TS]
Wie Neonazis die Ökoszene ausnutzen / Die grünen Braunen. Eine Studie der Böll-Stiftung zeigt, wie sich die Rechten auch im ökologischen Milieu ausbreiten.

02.02.2012 [NDR]
Parlamentarier debattieren über Asylheim / Der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern befasst sich heute mit dem Asylbewerberheim in Jürgenstorf bei Stavenhagen.

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