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19.11.2002
Altbackene Nazis und neu-deutsche Provinzler - Während Rechte in Demmin keinen Blumentopf gewinnen können, ist die heimische Provinzpolitik schon auf dem deutschen Weg
Für ein paar nette Stunden waren sie gut. Doch zu mehr als ein wenig Spaß für die 30 bis 40 AntifaschistInnen waren die knapp 60 Faschos nicht in der Lage, die am 16. November in Demmin demonstrierten. Nach dem Rufen von "Solidarität mit dem Irak" und "Hussein, Hussein" hatte die NPD-nahe Greifswalder "Schülerinitiative für freie Meinungsäußerung und -bildung" sich und ihr Demonstrationsmotto "Gegen Drogen, Gewalt und politische Verfolgung" vor den anwesenden Journalisten und wenigen Passanten vollends diskreditiert.
Laufschritt für die Nazis
Dass an dem Tag kein Blumentopf zu gewinnen war, wußte wohl auch die NPD-Riege vom Greifswalder Maik Spiegelmacher über den ostvorpommerschen NPD-Vorsitzenden Mario Kannenberg bis hin zum Rostocker Lutz Dessau. Letzterer blamierte sich eher mit seiner üblichen Rede über den Niedergang des deutschen Sports und dem plakativen Zitieren "ausländischer" und jüdischer Schriftsteller. Die Demonstration wurde noch knapp einer Stunde und einer kurzen Kundgebung schnell beendet. Demmin sollte wohl nicht noch länger die 60 wandelnden Beweise für den propagierten Bildungsnotstand erleben müssen, die AntifaschistInnen, PolizistInne und Presse allerlei Heiterkeit bescherten. Angereiste Kameradschaftsnazis eines Grüppchens um den Usedomer Enrico Harmisch hielten sich nicht umsonst lieber im Hintergrund.
So schnell, wie die Demo zu Ende war, hatten die Faschos es auch eilig nach Hause zu kommen. Den Laufschritt zogen sie konstruktiven Diskussionen mit AntifaschistInnen vor; es sollte, wie bei indymedia zu lesen ist, nicht das einzige Mal bleiben, das sie an diesem Tag rennen mußten. Die Polizei reagierte unbeholfen: AntifaschistInnen wurden mit Drohungen, zweifelhaften Auflagen und einem Pulk von PolizistInnen in Zivil eingedeckt, drei GegendemonstrantInnen wegen angeblicher Beleidigung von Zivis in Gewahrsam genommen. Aus dem Zug der Faschos wurden zwei Leute wegen des Verwendens von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen herausgezogen.
Städtischer Antifaschismus in Demmin: Mit Deutschland gegen die ungebildeten Amerikaner
Die Demminer Politik unterdessen widmet sich auf ihre Art Protest gegen rechte Parolen. Nach einem Friedensfest mit anschließender Lichterkette und Gebet am Donnerstag vor der Demo fand am Montag eine Veranstaltung mit dem als Nazi-Verfolgtem angekündigten Hans de Boer im örtlichen Gymnasium statt. Doch wie der Nordkurier berichtet, hatte er weniger über deutsche Greuel als über amerikanische zu erzählen, so dass es für ihn auch verständlich ist, dass "Amerika" mit dem Terror des 11. September "bezahlen" müsse. Wenn da später von "Gerechtigkeit Gottes" gegen die USA die Rede ist, findet de Boer es toll, dass Deutschland nun auch gegen den Irak-Krieg sei. Endlich ein starkes Deutschland, das den Amerikanern und ihrem "ungebildeten" Bush Paroli bietet? Da hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD genau den richtigen geladen.
Denn wer solche Antifaschisten hat, braucht keine Nazis mehr.
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